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Hoffen – glauben – lieben

Gedenken der Toten. Der ganze November ist mit seinen Gedenktagen von Allerheiligen bis Totensonntag eine Erinnerung an die Toten. Warum macht man das? Diese Besinnung sollte dieser Frage nachgehen. Wir Menschen sind oft so schnell gewohnheitsmäßig und damit oberflächlich. Elf Monate waren wir nicht so häufig auf dem Friedhof. Aber im November drängt sich alles an den Gräbern.
Der Friedhof ist Ausdruck unserer Hoffnung. Jeder Tod bedeutet für uns Menschen eine Veränderung. Wir müssen von einem lieben Menschen Abschied nehmen, wir verlieren ihn. Wir müssen uns neu orientieren und dürfen sogar sicher sein, dass wir selbst eines Tages bei den Verstorbenen sind. Verstorbene verscharrt man nicht irgendwo. Verstorbene erhalten ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof. Die ganze Anlage ist Ausdruck einer Hoffnung, dass dies nicht das letzte ist, sondern der Weg in die Ruhe und Nähe Gottes nach den Unruhen dieser Erdenzeit. Der schöngestaltete Friedhof in Voxtrup ist zu einer Stätte der Begegnung geworden. Darüber dürfen wir froh sein.
Vor dieser Hoffnung liegt der Glaube. Es ist ein Glaube, dass es mehr gibt als dieses Leben mit seiner Arbeit, seinen Mühen und Freuden. Es ist der Glaube, dass Gott der Schöpfer aller Dinge und Lebewesen ist, dass Gott allem sein Ziel und seinen Inhalt gibt. Die Menschen aller Zeiten haben ihren Glauben im Bau ihrer Gotteshäuser ausgedrückt. Ob heidnische Tempel oder christliche Kathedralen, ob einfache Synagogen oder schlichte Kloster und Pfarrkirchen – immer drückt sich im Bau der Glaube aus, dass wir zur Ehre Gottes leben, dass wir in Gottes Schutz geborgen sind, dass wir aus der Macht Gottes Hoffnung haben dürfen.
Vor dieser Hoffnung liegt auch die Liebe. Es ist eine Liebe, die sich um den anderen sorgt. Alle Menschen sind mal in Sorge, in Not, in Hilflosigkeit. Sie kann körperlich, sie kann seelisch sein. Da erwacht die Liebe, da wird die Liebe tätig z.B. bei der Flüchtlingshilfe hier vor Ort. Immer ist die Liebe erfinderisch gewesen und hat in vielen Formen Hilfe vermittelt. Eine Form ist sicher auch das Krankenhaus, in den Ärzte, Pflegepersonal und Besucher dem Kranken körperlich und seelisch helfen. Und diese Liebe geschieht nicht einfach so, sondern in der Erfüllung des Gebotes Christi und nach dem Beispiel Christi, der sagt: Liebt einander wie ich euch geliebt habe.
So wird unser Leben getragen von dem Glauben, der sichtbaren Ausdruck in den Kirchen und Kathedralen erhält; von der Liebe, die sichtbaren Ausdruck in der Flüchtlingshilfe und in den Krankenhäusern erhält; von der Hoffnung, die sichtbaren Ausdruck in den Friedhöfen erhält.
Wie sehen Sie sich in Ihrem Verhältnis zu Kirchen, zur Flüchtlingshilfe, zu Krankenhäusern und Friedhöfen? Trennen kann man die drei nicht. Sie fragen jeden nach seinem Glauben, seiner Liebe und seiner Hoffnung.

Anton Sinningen